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CD Wegenstein

WEGENSTEIN

Die große Wegenstein-Orgel der Millenniumskirche in Temeswar

FRANZ METZ spielt Werke von Bach, Boëllmann, Franck, Messiaen, Vierne, Pogatschnigg

 

EDITION MUSIK SÜDOST, München 2017

Gerhardsforum Banater Schwaben e.V.

 

Der Orgelbauer Carl Leopold Wegenstein

Die größte und gleichzeitig letzte Orgelbauwerkstatt des Banats war die der Firma Carl Leopold Wegenstein. Instrumente dieser Werkstatt stehen nicht nur im rumänischen Banat, sondern auch in Serbien (Wojwodina), in Ungarn, Bosnien und Herzegowina, in der Slowakei und in der Ukraine.

Carl Leopold Wegenstein kam am 16. April 1858 in Kleinhadersdorf (Niederösterreich) zur Welt. Sein Vater Leopold war der Inhaber eines Gasthauses und sein Großvater, ebenfalls Leopold, war Schmied. Es muss eine bodenständige und wohlsituierte Familie gewesen sein, denn der Bürgermeister aus Ketzelsdorf hat die Patenschaft für den kleinen Leopold angenommen.

Den Beruf des Orgelbauers hat Carl Leopold Wegenstein in Wien erlernt und ging danach auf Wanderschaft. So kam er zu bedeutenden Orgelbauern jener Zeit in Deutschland und der Schweiz: Walker (Ludwigsburg), Jämlich (Dresden), Dinze (Berlin), Weigle (Stuttgart), Hickmann (Dachwig bei Erfurt), Goll (Luzern), Kaufmann (Dresden), Giesecke (Göttingen) und Laukhuff (Weikersheim). In einem anderen Dokument erfahren wir: „Leopold C. Wegenstein war früher in böhmischen Orgelfabriken thätig“. So gelangte er um 1880 auch nach Temeswar zum Orgelbaumeister Joseph Hromadka (1826-1896). Mit siebenundzwanzig Jahren ließ er sich mit seiner Frau Maria Hromadka im Stadtteil Josefstadt nieder. Von den acht Kindern werden Richard, Josef und Viktor später ebenfalls als Orgelbauer tätig sein. Um 1894 richtete er im Temeswarer Stadtteil Elisabethstadt seine erste Werkstätte ein. Hier entstand sein Opus 1, die Orgel für die katholische Kirche der Banater Gemeinde Wiseschdia, erbaut 1893-1894. Ab 1921 hieß die Firma L. Wegenstein und Söhne.

Bereits 1896 entstand seine erste große Orgel (Millenniumsorgel) für die katholische Pfarrkirche der Temeswarer Innenstadt, bestellt von der Stadt Temeswar, für die er bei der Millenniumsausstellung 1896 in Budapest ausgezeichnet wurde. Nach dem Bau der großen Orgel für die katholische Pfarrkirche der Temeswarer Fabrikstadt (1901) erbaute er 1905 die Orgel der Wallfahrtskirche Maria Radna nach einem Entwurf von Aristide Cavaillé-Coll, 1908 sein Opus 100 für die Temeswarer Domkirche, gefolgt von fast 300 weiteren Instrumenten bis 1944, als die letzte Orgel der Firma Wegenstein für die evangelische Kirche im siebenbürgischen Heltau errichtet wurde. Dazwischen entstanden Orgeln z.B. für die Herz-Jesu-Kirche in Budapest, für mehrere Synagogen, für die Bukarester St. Josefskathedrale und für viele andere katholische, evangelische und reformierte Kirchen Südosteuropas. Am 10. März 1937 starb Carl Leopold Wegenstein in Temeswar.

Carl Leopold Wegenstein war ein Meister der pneumatischen Traktur, hat stets versucht dieses System zu verbessern und passte sich den Bestrebungen der Orgelbewegung an. Seine Söhne werden die ersten Orgeln mit elektrischer Traktur in Rumänien bauen, widmeten sich gleichzeitig der Renovierung und des Umbaus von bedeutenden Orgeln (wie z.B. jener der evangelischen Stadtkirche in Hermannstadt) und setzten sich für die Etablierung des zeitgenössischen Orgelbaus ein. Die Orgeln der Temeswarer Werkstätte Wegenstein werden auch noch in vielen Ländern – zum Lobe Gottes und in Konzerten – gespielt und haben selbst die beiden Weltkriege des 20. Jahrhunderts und den Kommunismus überlebt. Die Werkstätte Wegenstein musste jedenfalls in den Jahren nach dem zweiten Weltkrieg ihren Betrieb einstellen, das Haus und das Eigentum (Bd. Mihai Viteazul) wurde 1972 vom Staat beschlagnahmt. 

 

Die große Orgel der Millenniumskirche

Mit dem Bau der großen neuen Pfarrkirche der Temeswarer Fabrikstadt (Millenniumskirche) im Jahre 1896 wurde auch eine neue Orgel bei Carl Leopold Wegenstein bestellt. Im Jahre 1901 fand dann die Weihe der neuen Orgel in der Millenniumskirche statt. Bischof Alexander von Dessewffy übernahm die Kosten für die neue Orgel, die nach den damaligen neuesten orgelbautechnischen Errungenschaften erbaut wurde. Als Organist der Millenniumskirche wikte 1901 Kornel Szkladányi.

Szmida Lajos schrieb anlässlich der Orgelweihe 1901 wie folgt über dieses neue Instrument und dessen Erbauer: „Bischof Dessewfy Sándor hatte, um die Liebe zu seinen Gläubigen zu erwiedern, der Temeswarer Fabrikstadt eine Orgel bestellt. Die Bestellung wurde am 3. Juni 1899 gemacht und kostete 26.000 Kronen. Der Orgelklang harmonisiert sich mit der Architektur und Malerei der Kirche. Sie hat drei Manuale und ein Pedal. Das erste Manual hat 13 verschiedene Klangfarben, das zweite 9, das dritte auch 9 und das Pedal 9. Es sind noch 14 automatische Züge, die kann man verschieden einstellen. Die Orgel ist ein künstlerischer Bau im romanischen Stil verfertigt. Das Gehäuse ist aus Eichenholz und mit reichen Schnitzereiarbeiten versehen und teilweise vergoldet. Über diese Orgel haben kompetente Musiker sich mit Staunen geäußert.“

In den Jahren 1928-1930 wurde der Spieltisch weiter nach vorne versetzt und umgedreht. Dies war auch der Wunsch des damaligen Kirchenmusikers Paul Wittmann (1900-1985), um den Chor gleichzeitig dirigieren zu können. Im Jahre 1979 folgte eine Renovierung der Orgel durch Walter Kindl, die Traktur wurde elektropneumatisch und die Disposition verändert. Die heutige Disposition der Orgel:

 

Franz Metz (geb. 1955) ist in der Banater Musikstadt Lugosch/Lugoj aufgewachsen und erhielt hier seinen ersten Musikunterricht bei seinem Vater, dem Kirchenmusiker Martin Metz, bei Dr. Josef Willer und Prof. Klara Peia. 1978 absolvierte er bei Prof. Lidia Sumnevici die Orgelklasse der Bukarester Musikhochschule. In dieser Zeit hatte er Gelegenheit, wichtige Anleitungen der beiden damals bekanntesten Organisten Rumäniens zu erhalten, Prof. Franz Xaver Dressler (Hermannstadt) und Msgr. Josef Gerstenengst (Bukarest). Bis 1985 wirkte Franz Metz als Organist, Chorleiter und Pädagoge in Temeswar, gab zahlreiche Orgelkonzerte an den bedeutendsten Orgeln des Landes und versuchte im Rahmen der damaligen Möglichkeiten – bedingt durch die kommunistischen Strukturen dieses Landes – die Kunst des Orgelspiels an die jüngere Generation weiterzugeben. Nach seiner Ausreise aus Rumänien wirkte Franz Metz ab 1985 als Stiftskantor in Hechingen und seit 2000 als Kirchenmusiker, Organist (St. Pius) und Musikwissenschaftler in München. Er widmet sich besonders der Bekanntmachung Banater (donauschwäbischer) Orgel- und Kirchenmusik wie auch der Werke bedeutender Komponisten dieses Kulturraums. Als Musikwissenschaftler hat er die ersten größeren Arbeiten zur Banater Orgelbaugeschichte veröffentlicht und sämtliche Orgeln dieses südosteuropäischen Kulturraums dokumentiert. Zu seinen Publikationen gehören auch zahlreiche wissenschaftliche Arbeiten zur Musikgeschichte Südosteuropas und zur Musikkultur der deutschen Minderheiten dieser Länder.

Die Aufnahmen dieser CD entstanden am 28.-29. Juli 1990 (Bach, Boëllmann, Franck, Messiaen, Vierne) und am 14. Mai 1994 (Pogatschnigg). Orgelbaumeister Wolfgang Braun (Baden-Württemberg) leistete dabei durch die Bereitstellung der Aufnahmegeräte eine große Hilfe.

 

1 Joh. Seb. Bach (1685-1750)

- Toccata und Fuge d-Moll

9´25

2 Léon Boëllmann (1862-1897)

- Lento

3´14

3 Léon Boëllmann

- Maestoso V

2´12

4 Léon Boëllmann

- Maestoso I

1´14

5 Léon Boëllmann

- Offertoire I

3´21

6 Cesar Franck (1822-1890)

- Choral a-Moll

12´25

7 Olivier Messiaen (1908-1992)

- Dieu parmi nous

7´36

8 Louis Vierne (1870-1937)

- Carillon de Westminster

16

9 Guido Pogatschnigg (1867-1937)

- Praeludium

7´24

10 Guido Pogatschnigg

- Pastorale

06

11 Guido Pogatschnigg

- Rhapsodie

9´28

 

Gerhardsforum Banater Schwaben e.V., München

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